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Vertrauen statt Untergangsstimmung

Der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag will Zeichen der Zuversicht setzen. Dabei unterstützt die Brost-Stiftung bei der Gestaltung Dortmunds als „Ort der guten Nachrichten“

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Was sind uns Werte noch wert?
„Wir leben in einer Zeit, in der Grunderzählungen, die zum „common sense“ einer aufgeklärten Gesellschaft gehören, mit Werten wie Vertrauen in repräsentative Demokratie, Menschenwürde, solidarische Gesellschaft, Rechtstaatlichkeit, Verantwortung für Vergangenheitsbearbeitung, Ablehnung von Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, angezweifelt werden“ (Prof. Dr. Julia Helmke, Generalsekretärin DEKT)

Der Deutsche Evangelische Kirchentag 2019 in Dortmund (19. – 23. Juni) stellt diese Fragen in den Mittelpunkt. Er soll als „Ort der guten Nachrichten“ inszeniert werden, die programmatische Grundausrichtung fasste der Präsident des Kirchentages, Hans Leyendecker, so zusammen: „Dortmund ist eigentlich der ideale Ort, um wesentliche Inhalte gegen die manchmal schon modische und oft auch hysterische Untergangsstimmung zu setzen und es wird deshalb auch den Kirchentag der guten Nachrichten geben.“ Angelehnt an die Grundbedeutung des Evangeliums als „gute Nachricht“.

Mit Unterstützung der Brost-Stiftung entsteht dazu ein Raum, der anregen soll, den Blick dahin zu wenden, was gut ist oder sich verbessert hat. Ein „Pavillon der guten Nachrichten“ – sieben Meter hoch, von innen leuchtend, empfängt der weiße Iglu (ganztägig geöffnet) alle Kirchentagsbesucher. „Als Zeichen gegen die Untergangsstimmung macht er gute Nachrichten sicht- und erlebbar“, erklärt Pfarrerin Ute Engel.

Die Gäste sollen im Innern überwiegend mit Ereignissen konfrontiert werden, die unsere Welt, statistisch belegt, ein Stück besser und lebenswerter gemacht haben. „So ist zum Beispiel die Kindersterblichkeit gesunken und auch die Zahl der Analphabeten. Erfreulich erhöht hat sich die Anzahl der Schuljahre von Mädchen auf der Welt – oder auch die Zahl der Gitarren pro Kopf“, heißt es dazu im Kirchentagsprogramm.





Wundertüte Kirchentag
Zum Projekt „Ort der guten Nachrichten“ gehören weitere Angebote. In Kooperation mit dem Dortmunder U sollen die „Fliegenden Bilder“ von Adolf Winkelmann auf dem Dach des Gebäudes filmische Statements zur Diskussion beitragen. Die St. Reinoldikirche, älteste erhaltene Kirche Dortmunds, wird als „Wunderkirche“ inszeniert, in der rund um die Uhr Gesprächs- und Kulturveranstaltungen stattfinden. „Kirchentag ist wie das Leben eine große Wundertüte, die von Donnerstag bis Samstag kontinuierliche und herausfordernde Veranstaltungen bietet“, verspricht das Programm. Zusammen mit dem WDR und regionalen Printmedien sollen gute Nachrichten produziert und in den Mittelpunkt der Berichterstattung gerückt werden.

Aber warum werden solche Informationen so leicht von Katastrophen, Verbrechen und Terror im Nachrichtenstrom weggespült? Der Pavillon soll zum Nachdenken animieren über die eigene Wahrnehmung, das öffentliche Bild der Welt in der Berichterstattung. Bekommt der Slogan „only bad news are good news“ im Zeitalter des Verdrängungskampfes zwischen Journalismus und Social Media eine neue Dimension? Warum dominieren Tragödien die Schlagzeilen der Gegenwart – während in der Antike die Überbringer der schlechten Botschaft gleich hingerichtet wurden?

Neben „good news“ aus aller Welt, in Fülle auf durchlaufenden Screens präsentiert, können die Besucher auch ihre ganz persönlichen guten Nachrichten hinterlassen. Aufgeschrieben auf einem grünen Blatt sollen sie im Laufe des Kirchentages zum Laubwerk eines Baumes wachsen. Und sich gepostet oder geteilt verbreiten.

Auf dem Programm des Pavillons stehen auch Besuche und Vorträge von Menschen, die mit ihrer Lebensleistung gute Nachrichten schaffen. Als Betreiber von Tafeln oder Helfer für Flüchtlinge. Pfarrerin Ute Engel. „Der Pavillon der guten Nachrichten soll ein Zeichen des Vertrauens in die Welt setzen. Ein Zeichen von Optimismus und Hoffnung – ohne zu verharmlosen oder zu vergessen, was noch alles zu verbessern wäre! Wer Hoffnung hat, hat auch die Kraft, zu verändern.“

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