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Bürger machen ihr Ruhrgebiet besser!

Zum Auftakt des Brost-Projektes „Ruhrgebiet besser machen“ kamen im ersten „Kneipengespräch“ viele gute Ideen auf den Tisch

Das Angebot klang märchenhaft gut! „Tun Sie einfach so, als seien Sie König von Oberhausen und könnten die Stadt in Ihrem Sinn verändern“, lud Ideenbotschafter und Moderator Peter Jötten die Gäste ein. „Ohne Rücksicht auf klamme Kassen, Geld ist bei Königs genug da.“ Mit dieser Aufforderung waren beim ersten Kneipengespräch zum Thema „Ruhrgebiet besser machen“ die Schleusen für gute Ideen gleich weit geöffnet…

Mehrere Dutzend Bürger waren auf Einladung der Brost-Stiftung zu „Stani‘s Eck“ in Oberhausen Schlad gekommen, um sich konstruktiv an der Zukunftsplanung ihrer Heimatstadt zu beteiligen. Die zunächst geplanten drei Thementische mussten schnell auf fünf erweitert werden. So diskutierten am Ende je zwei Nachbarschaftsrunden über Herausforderungen der „Mobilität“, ebenfalls doppelt besetzt das Thema „Wohnen und Soziales“ ergänzt um den Schwerpunkt „Kultur und Freizeit“.
„Keine der hier entwickelten Ideen geht verloren“, erklärte Moderator Jötten den geplanten Verlauf des Abends sowie des gesamten Projektes. „Was Sie heute Abend zusammentragen, wird anschließend in Ideenwerkstätten weiter verfolgt. Nur eine Bitte: Halten Sie sich nicht zu sehr mit der Beschreibung von Problemen auf, suchen Sie nach Lösungen!“
Ideenbotschafter Peter Jötten leitet den Abend

ÖPNV muss besser werden

Nach intensiver Debatte bot jeder der Thementische mindestens eine Idee an, wie der Alltag in Stadt und Region lebenswerter gestaltet werden könnte. „Wir möchten die Bürgerberatung verbessern. Oberhausen braucht eine Anlaufstelle, an der die Steuerzahler die Beratung bekommen, die ihnen zusteht“, startete der Sprecher des ersten Tisches den Reigen der Vorschläge. Jede Gesprächsrunde hatte vorher ihre Einfälle auf Ideenkarten gesammelt, trug den besten davon ins Plenum.

„Wir brauchen einen Verkehrsverbund unter einer Leitung“, setzten die Bürgerexperten der Gruppe „Mobilität“ die Diskussion fort. „Nur mit einem steuerfinanzierten Verbund wird sich die Region zu einer zusammenhängenden Revierkommune entwickeln.“ Der zweite Thementisch zum gleichen Thema ergänzte den Bereich ÖPNV um die Forderung nach einer O-Buslinie, mit der die einzelnen Stadtteile bessern vernetzt werden sollten. In deren weiterem Verlauf Anstöße für eine Verbesserung der Bausubstanz an Schulen und Sportstätten, die Reaktivierung von Gebäude- und Industriebrachen sowie die Forderung nach einer Begegnungsstätte für Jung und Alt vorgetragen wurden.

Keine Idee geht verloren!

Um die erwartete Vielfalt und Kreativität der insgesamt nahezu 30 Kneipengespräche in Oberhausen, Bottrop und Herne zu strukturieren, haben die Macher des Projektes eine Mappe gestaltet. Darin sollen auf mehreren Seiten die einzelnen Schritte von der ungeordneten Ideensammlung bis hin zu einem finalen Vorschlag festgehalten und dokumentiert werden. Möglichst begleitet von Anregungen, was der Bürger zur Realisierung beitragen und wer sonst noch unterstützen kann. Dieses Konzept hat sich bereits im Projekt "Hamburg besser machen" der Körber-Stiftung bewährt, die nun auch bei "Ruhrgebiet besser machen" ihr Know-How beisteuert.
Kneipengespräch in großer Runde
Der Arbeitsauftrag, sich aus den vielen mit Emotion zusammengetragenen Anregungen auf DIE eine Idee zur Umsetzung zu verständigen, stellte für Teilnehmer des ersten Kneipengespräches die wohl größte Herausforderung dar. Fast eine Stunde redeten sich die Gruppen, bunt gemischt nach Alter und Geschlecht, die Köpfe heiß. Nicht jedes Team konnte sich am Ende für einen Vorschlag entscheiden. Auch wenn Moderator Jötten Mut zur Lücke anregte: „Es wird keine Idee verloren gehen, jede Anregung landet in der Ideenwerkstatt. Aber wir möchten, dass bei jeder Arbeitsgruppe mindestens ein konkreter, umsetzbarer Vorschlag übrig bleibt.“
Am Ende belegten die Verbesserungsvorschläge, wo die Bürger mehrheitlich Defizite im Alltag erleben. Und warum es sich lohnt, sie bei der Benennung und Behebung zu beteiligen. Im Bereich „Wohnen und Soziales“ wurde etwa konkret die Umnutzung des leerstehenden Schulgebäudes der Stötzner-Schule als Begegnungsstätte, Jugendtreff und Sitz der Tafel angeregt. Daran wollen die Gesprächsteilnehmer ehrenamtlich mitwirken, ein erster Schritt soll die Einrichtung einer Arbeitsgruppe sein.

Gute Zukunft braucht starke Partner

Ausbaubedarf im Bereich „Mobilität“ sehen die Menschen vor allem im ÖPNV, neben einer überfälligen Beseitigung des „Tarifdschungels“ im Ruhrgebiet wurde konkret die Reaktivierung einer Buslinie sowie eine Busverbindung „on demand“ in entlegene Stadtviertel gefordert.
Zur Steigerung der Wohnqualität schlug die zweite Gruppe „Wohnen und Soziales“ unter anderem eine biodiverse Nutzung der Freiflächen an Straßen und öffentlichen Gebäuden vor. Ohne Hilfen von Land und Bund sowie Partnerschaften mit anderen Ruhrgebietskommunen, darin waren sich alle Teilnehmer einig, werde man die Zukunft nicht positiver gestalten können. Alle erforderlichen Partner miteinander zu vernetzen, gehört ausdrücklich zu den Zielen des Projektes „Das Ruhrgebiet besser machen“.
Ideen kamen aufs Papier
Jasmin Sandhaus, in der Brost-Stiftung verantwortlich für Konzept und Umsetzung: „Wir wollen nicht nur im Rahmen unseres Netzwerkes Bürger, Politik und Verwaltung ins Gespräch bringen. Jedes einzelne Kneipengespräch wird als Protokoll online auf ruhrgebietbessermachen.de festgehalten. Auf der Homepage können/sollen sich auch Bürger an der Debatte beteiligen, die nicht bei den Gesprächen vor Ort waren.“

Es soll ein Forum entstehen, eine Kontaktbörse, an der die Ideen aus den Städten Oberhausen, Bottrop und Herne weiter begleitet werden. Um am Ende Verantwortliche der Ruhrgebietskommunen sowie Politiker damit zu konfrontieren. Dem Motto folgend: Viele können viel erreichen! Königliche Wunschlösungen gibt´s ja leider nur im Märchen.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf unserer Seite: Ruhrgebiet besser machen

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