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„Das Ruhrgebiet wird mich jeden Tag neu überraschen“

Lucas Vogelsang freut sich auf die „Stadtschreiber“-Zeit. Auf alte Kumpels, neue Menschen, Currywurst und Borussia Dortmund

Mit welchen Erwartungen kommen Sie als „Stadtschreiber“ ins Ruhrgebiet?

Lucas Vogelsang: „Ich habe das Ruhrgebiet in den letzten Jahren vor allem über Kultur und Fußball kennengelernt. Für mein Buch „Heimaterde“ war ich an einigen markanten Punkten, zum Beispiel auf Friedhöfen in Essen oder Bottrop und hatte allein 29 Übernachtungen am Essener Kennedyplatz. Jetzt möchte ich das Ruhrgebiet von den Menschen her erzählen. Wie lebt dieser besondere Schlag Mensch, der hier über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte entstanden ist – und dem Berliner, wie ich ihn kenne, gar nicht so unähnlich ist.“

Berlin - Mülheim ist schon ein gewagter Wechsel des Lebensmittepunktes...

Vogelsang: „Das sehen wohl auch einige meiner Berliner Freunde so, die mich anschauten, als würde ich nach Namibia umziehen und sie wollten noch rechtzeitig an die Malaria-Prophylaxe erinnern.

Aber zum einen habe ich Berlin für mich gefühlt auserzählt, ich freue mich darauf, jetzt rund um Mülheim spannende Menschen und Geschichten zu finden. Außerdem bin ich den letzten Monaten ohnehin alle 14 Tage nach Dortmund zum Fußball gefahren, die Anreise zu Borussia Dortmund wird jetzt deutlich kürzer.“

Wie wird ein Berliner zum Dortmund-Fan?

Vogelsang: „Mein Fußball-Herz schlägt ganz tief drin für Hertha BSC Berlin. Aber Borussia Dortmund wurde meine zweite Liebe, seit ich 2015 mit Joachim Krol, Moritz Rinke sowie einigen anderen Freunden im Buch „Man muss ein Spiel auch lesen können“ die letzte Saison von Jürgen Klopp beschrieben habe. Ich wollte unbedingt einmal in die Südtribüne, dabei ist dann auch das Gedicht ‚In der Wand‘ entstanden.“
"In der Wand" von Lucas Vogelsang
In der Wand, die gelb ist und schwarz, die laut ist und heiß, da hast du keinen Nachnamen.

Du heißt Manne.

Du heißt Zwerch, Moppel oder Bäuerchen.

Du heißt Furzer, Blockwart oder Nullneun.

Mehr muss die Wand nicht wissen.

Und wenn du doch einen Nachnamen tragen willst,

Dann trag ihn auf dem Rücken.

In der Wand heißt du:

Kree

Zorc

Oder Amoroso

Heißt du Großkreutz

Błaszczykowski

Oder Reus.

In der Wand, die gelb ist und schwarz, ist es nicht wichtig, wie du aussiehst.

Der Wand ist es egal, ob du draußen Amtsleiter bist oder mal gesessen hast. Es ist ihr egal, so lange du ihre Farben trägst.

Und pünktlich bist.

In der Wand ist 19:04 Uhr eine scheiß Zeit.
Fünf Minuten später aber schon wieder alles in Ordnung.

In der Wand beginnt jedes Spiel, auch eines gegen Stuttgart, schon zwei Stunden früher. Die Wand macht da keine Unterschiede. Selbst an einem Mittwochabend wie diesem, Flutlicht und Regen, sind es nie nur 90 Minuten. 5. Spieltag, letzte Sekunde. Wand ist Wand. Ein Teil von dir, weil du ein Teil von ihr bist.

In der Wand stehst du seit 20 Jahren am gleichen Fleck. Vererbt.

Die Wand, das ist: Geschlossene Gesellschaft.

Du hast dein Leben hier verbracht. Jeden Tag und jede Nacht.

Hier darfst du Kutte tragen und verliebt sein in Susi.

Aber wenn die Wand zu singen beginnt, musst du mitsingen, klar. Das erwartet die Wand von dir.

Die Wand braucht deine Stimme.

Wehe dir, du verpasst deinen Einsatz.

Aida. Große Oper. Seit 20 Jahren schon.

You’ll never walk alone, länger noch.

In der Wand läufst du nie alleine. Läuft es dir eiskalt den Rücken runter.

In der Wand musst du wissen, was die Mütter der Gegner beruflich machen.

In der Wand musst du, Wohlsein!, Bierchen trinken.

Und du musst wissen, wie viel rote Erde wiegt.

In der Wand sagst du: Gelsenkirchen, die Blauen, du sagst Herne West.

Schalke sagst du nie.

Das würde die Wand dir übel nehmen.
Wenn du also Witze machen willst in der Wand, mach die richtigen.

Und wenn du in der Wand von früher erzählen willst, dann erzähl von Emmerich und Wegmann.

Erzähl von Kohler und Riedle.
Erzähl von Reuter ’95.
Erzähl von München ’97.

Das gibt was auf die Schulter, das gibt Beifall.

Die Wand denkt gerne zurück.

Erzähl aber nicht von Andy Möller.

Und wenn du von Andy Möller erzählst, dann wisch dir Tränen aus dem Gesicht, die du nie geweint hast.

Denn die Wand vergisst nicht.

In der Wand steht Teddy für Torwart.
Und Kobra für Tore.

Die Wand liebt die Vergangenheit.

Deshalb liebt sie Norbert Dickel, er ist ihr Mann auf dem Platz.

Er hat seine Gesundheit gegeben für sie, jetzt gibt er ihr seine Stimme.

Die Wand weiß das zu schätzen, sie schenkt ihm dafür ein Echo.

Deshalb gilt: Wenn Norbert Dickel Roman brüllt, dann brüllst du: Weidenfeller.

Und wenn er Kagawa brüllt, dann brüllst du Shinji.

Das gehört sich so, das gehört zum guten Ton.

Die Wand kann höflich sein, die Wand kann schnell böse werden.

Wand ist, wenn der Schiri pfeift.

Arschgeige

Pfeifkonzert

In der Wand stehen so viele wie einer da unten in der Woche verdient.

Die Wand liebt sie trotzdem.

Liebe und Hass, das kann die Wand gut.

Wenn du in der Wand hasst,

Dann weißt du warum.

Wenn du in der Wand liebst,

Dann erst recht.

Die Wand liebt Männer.

Und schämt sich nicht dafür.

In der Wand musst du hüpfen, damit jeder sieht, dass du kein Schalker bist.

In der Wand, ganz oben, ist man schon fast im Himmel.

Und der Fußballgott, das weiß ja jeder, ist Borusse.

Aber in der Wand weißt du auch: Selbst die Religion schützt nicht vor Niederlagen.

Auch das gehört dazu.

Du musst, meine Fresse!, leiden können.

Zusammenzucken, wenn Shinji nur die Latte trifft.

Und wieder hüpfen, weil du ja vor allem kein Schalker sein willst.

Und ungeduldig werden, weil die Wand weiß, 0:2 kurz vor Schluss, dass Hummels wichtiger ist als Ramos.

Der Wille wichtiger als die Kunst.

Die Wand weiß es und deshalb weißt du es auch.

Die Wand war vor dir schon hier.

Am Ende ist es die Wand, die noch ein Unentschieden erkämpft.

Aber auch das ist ihr schon wieder egal.

Denn die Wand weiß auch: Das nächste Spiel ist immer der Derbysieg.
Und die Wand fordert genau den.

Und du wirst wiederkommen, weil du ohne die Wand gar nicht kannst.

Immer schon. Ein Leben lang.

Und die Wand weiß auch das.

Lucas Vogelsang verfasste die Hommage an die Dortmunder Südtribüne während des Buchprojektes „Man muss ein Spiel auch lesen können“, in dem das letzte Trainerjahr von Jürgen Klopp bei Borussia durch verschiedene Autoren beschrieben wurde.
„Fußball ist der soziale Klebstoff des Reviers“
Hat Fußball im Revier einen anderen Stellenwert?

Vogelsang: „Fußball ist hier noch viel mehr sozialer Klebstoff. Hier wird Fußball gelebt. Wenn Hertha ein Bundesligaspiel hat, merkt man das in Charlottenburg nur daran, dass die Polizei einen U-Bahnhof sperrt. 40.000 gehen ins Stadion, aber schon in Kreuzberg interessiert der Kick niemanden mehr. Wenn Borussia zu Hause spielt, ist in Dortmund Feiertag! Die ganze Stadt erscheint schwarz-gelb, jede Kneipe ist voll.

Noch viel intensiver zeigt sich die Verbundenheit auf den Ascheplätzen der Kreisliga, dort bestimmt der Fußball oft sogar die Lebensläufe der Menschen. Ich habe für die Wochenzeitung DIE ZEIT eine Reportage über die Kreisliga in Bottrop geschrieben. Darin kam ein Mann vor, der beruflich einen Müllwagen fährt. Er stand in der Jugend als Stürmer auf dem Sprung in den Profifußball, hatte mit 19 Jahren ein Angebot von Gladbach-Manager Rolf Rüssmann. Er lehnte ab mit der Begründung: ‚Wenn ich 20 bin, kommt Schalke‘. Die kamen aber nie, heute sitzt er auf dem Bock im Müllwagen.

Einen anderen Fußballbesessenen habe ich getroffen, 72 Jahre alt, dritter Herzinfarkt. Sein Lebensinhalt bestand darin, einen Kreisligaverein in die Landesliga zu führen. Ich glaube, die Identifikation mit Fußball und Verein ist auf Asche am Größten.

Man sollte sich auch immer wieder mal bewusst machen, wie sehr Vereine aus dem Westen den deutschen Fußball geprägt haben. Joachim Krol kann während der Autofahrt die Zeugnisse des wilden Fußballwestens am Wegrand aufzählen: „Wenn wir links fahren würden, da liegt die Anlage von Westfalia Herne oder dort die von Wattenscheid 09 oder Schwarz-Weiß Essen...“

„Eduscho-Studium“ mit Helge Schneider
Mit Joachim Krol sind Sie auch für Ihr neues Buch unterwegs, spielt das Ruhrgebiet darin schon eine Rolle?

Vogelsang: „Ja, wir sind gemeinsam aus dem tiefen Westen in den tiefen Osten gereist. Um Menschen zu treffen, deren Leben mit dem Mauerfall eine echte Wende bekam. Solche, die aus dem Osten endlich heraus gekommen sind. Aber auch Menschen aus dem Westen, die hofften, von der Goldgräberstimmung in der Ex-DDR zu profitieren. Das Buch soll im April erscheinen – ich werde es also an meinem neuen Schreibort Mülheim fertig stellen.“

Glauben Sie, das Ruhrgebiet kann Sie angesichts der schon intensiven Erfahrungen in der Region noch überraschen?

Vogelsang: „Es wird mich täglich überraschen, weil ich ohne vorgefasste Thesen komme. Ich will versuchen, das Ruhrgebiet durch die Augen von Menschen zu erzählen, die ich zufällig treffe oder bereits kenne. Sie sollen mir ihre Stadt, ihr Ruhrgebiet zeigen.

Aber nur bei wenigen kenne ich die Biographie, bei niemandem weiß ich, welche Geschichte er erzählen wird, oder gar, wie diese ausgeht.“

Haben Sie bereits konkrete Pläne?

Vogelsang: „Mit Micky Beisenherz will ich in einem Mehrgenerationenhaus in Castrop-Rauxel herausfinden, wie sich an einem solchen Ort Humor entwickelt. Johan Simons vom Bochumer Schauspielhaus soll mich zum VfL Bochum begleiten, wir wollen über Kunst, Kultur und Fußball sprechen.

Texte gegen das Schubladendenken

Lucas Vogelsang (33) Vogelsang schrieb nach Abschluss der Zeitenspiegel-Journalistenschule in Reutlingen die ersten Artikel im Tagespiegel, später u.a. eine regelmäßige Kolumne für das Magazin 11 Freunde. Er arbeitete als Autor für Die Zeit, Welt am Sonntag sowie namhafte Magazine.

2011 übernahm er für ein Theaterstück von Rainald Grebe die Recherche und führte die Interviews, die den Inhalt des Stückes bildeten. Am 31. August 2011 hatte das Werk von Grebe „Völker schaut auf diese Stadt“ in Berlin Premiere.

2017 erschien seine Reportagesammlung „Heimaterde“ über 20 Migranten in Deutschland im Aufbau-Verlag. Über die „Weltreise durch Deutschland“ schrieb das Hamburger Abendblatt, es sei „… ein ebenso anrührendes wie nachdenklich machendes Buch, das sich jedem Schubladendenken verweigert.“

Autor und Comedian Micky Beisenherz sagt über seinen Kumpel Lucas: „Vogelsang könnte über einen Stromkasten in der Uckermark schreiben – es wäre lesenswert.“

Lucas Vogelsang lebt ab Oktober 2018 als 2. Stadtschreiber Ruhr in Mülheim.
Vielleicht treffe ich Helge Schneider in Mülheim zum Eduscho-Studium in der Nach-Eduscho-Zeit. Aber ich möchte auch versuchen, den Langen wieder zu finden, der zuletzt neben mir an der Pommesbude in Essen stand. Und der leider weg war, bevor ich ihn ansprechen konnte.

Ich will Geschichten erzählen, die vor der Haustür passieren. Die Leute sollen beim Lesen denken: ‚Ach ja, das kennen wir irgendwie. Wir dachten immer, das wäre nicht interessant, aber so wie der Vogelsang das ausgegraben und erzählt hat, ist das ein spannender Blick in unsere Lebenswelt.‘ Die sie so nicht gekannt oder gesehen haben.“

Das Ruhrgebiet zeichnet sich zumindest in der Betrachtung von außen nicht gerade als Hort praller Lebensfreude aus...

Vogelsang: „Das weiß ich. Andererseits läuft die Platte mit dem Text „Zechensterben, Strukturwandel, Migrationsprobleme...“ doch als Dauertonträger sozusagen aus jeder Musikbox. Ich möchte mit meinen Geschichten auch ein bisschen zum Entertainment beitragen, damit die Leser nicht nach einer Stunde von der Beschreibung der ganzen Negativentwicklungen depressiv werden.“

"Heimat hat 7 Buchstaben"

Im Tagespiegel hat sich Lucas Vogelsang unter der Rubrik „4 Fragen, 4 Antworten“ mit seiner Heimat Spandau auseinandergesetzt:

„In einem Buch über Heimat darf natürlich die eigene nicht fehlen. Die Frage danach, was eigentlich Zuhause für mich ist, der Ort, der mir nie egal sein kann. Und da gab es für mich nur eine Antwort, sie hat sieben Buchstaben und liegt tief im Westen...

...Im Zerrbild der verstrichenen Zeit ist Heimat eine Jugendliebe, die zur Frau geworden ist und dann zur Greisin. Mitunter hat sie sich gehen lassen. Echte Heimat ist ja auch der Ort, der dich wie kein anderer enttäuschen kann, weil er deiner Sehnsucht nicht gerecht werden kann.

...Und dennoch wird er immer ein Teil von mir sein... Weil Spandau ein ehrlicher Ort ist, ohne Schnörkel, der gute Kumpel, der dir sagt, wenn du Mundgeruch hast oder dir die Autoschlüssel wegnimmt, weil du nicht mehr fahren solltest. Ein Kumpel aber auch, der im Zweifel vor der Tür deiner Lieblingskneipe eine Schlägerei anzettelt, damit du drinnen deine Traumfrau gewinnen kannst...“
Ihr Buch „Heimaterde“ hat die teilweise kontroverse Debatte um den Heimatbegriff belebt. Wird das Ruhrgeiet jetzt ein Jahr lang ihre zweite Heimat?

Vogelsang: „Im Gegensatz zu Bundespräsident Frank Walter Steinmeier glaube ich nicht, dass es den Begriff Heimat im Plural geben kann. Ich maße mir jedoch nicht an, einen derart komplexen Begriff zu definieren. Für mich ist mit Heimat das Gefühl verknüpft, dazuzugehören. Zu funktionieren, hier, wo meine Freunde sind. Das bedeutet für mich nicht Berlin, sondern mindestens Deutschland.

Ich sträube mich etwas gegen den Begriff, wenn Sie es unbedingt so nennen wollen, wird das Ruhrgebiet vorübergehend meine zweite Heimat.

Aber lassen wir mal die Kirche im Dorf: Ich gehe nicht in die Diaspora, sondern entferne mich dreieinhalb Stunden ICE-Fahrt von Berlin. In diesem Zug hat in den letzten Monaten kein Mensch so oft gesessen wie ich!“

„Für manche Leute in Castrop ist Bochum schon Ausland“
Was macht den Begriff Heimat so schwierig? Vogelsang: „In Teilen seine ganz individuelle Interpretation. Für mich ist es zum Beispiel das Gefühl, am Essener Hauptbahnhof auszusteigen und wenige Meter weiter am Kennedyplatz warten schon Kumpels mit einem Bierchen. Ein aus dem Libanon geflüchteter Mensch wird mit seiner neuen ‚Heimatstadt‘ andere Gefühle verknüpfen.
Der Inhalt des Begriffs und die Identifikation mit der Region ändern sich manchmal schon nach 20 Minuten Zugfahrt. Es gibt Leute in Castrop, für die ist Bochum schon Ausland. Der Chef eines Kleingarten-Vereins aus Castrop-Rauxel sagte mir einmal: ‚In Duisburg ist schon Rheinland, da sehen die Gärten ganz anders aus.‘ Es gibt also nicht DEN Ruhrgebietler, der sich geographisch zuordnen lässt. Auch nicht DEN Ossi oder DEN Türken.“

Mülheim hat einen Stadtteil „Heimaterde“, da war ihr gleichnamiges Buch offenbar eine perfekte Bewerbung für das Stadtschreiber-Stipendium der Brost-Stiftung...

Vogelsang: „Im Buch setzen sich zwei bis drei entscheidende Kapitel mit dem Ruhrgebiet auseinander. Ich wurde eingeladen, ein Jahr lang mit dem Blick von außen, dem Blick des Berliners, auf die Region zu schauen. Für die Entscheidung musste ich keine Sekunde überlegen.

Ein kleiner Unterschied zu meiner Vorgängerin ist vielleicht, dass ich nicht ganz fremd in die Region komme, sondern hier aus den letzten 10 Jahren als Reporter über ein Netzwerk verfüge. Ich kenne viele Protagonisten und Experten, die meine ‚Erklärmenschen‘ werden sollen, meine Zugänge zum Ruhrgebiet.“

Wann war das Jahr als Stadtschreiber ein gutes Jahr?

Vogelsang: „Wenn in der Zeit ein wunderschönes Dutzend von Biographien entstanden ist. An der Trinkhalle, der Pommesbude, im Wohnzimmer mit einem japanischen Bergmann oder mit Peter Neururer auf seinem schicksalhaften Golfplatz. Das Ruhrgebiet hat unendlich viele Facetten.

Ich bin kein Spiegel-Reporter, der aus der Beobachtung Schlüsse zieht und Forderungen ableitet. Sondern ich beobachte und beschreibe Wirklichkeit, den moralischen Zeigefinger will ich in der Tasche lassen. Der Leser soll sich ein Bild machen und selber bewerten. War das ein guter Mensch oder ein schlechter, eine gute Situation oder eine bedrohliche. Ich möchte die Leute animieren, einmal drei Minuten über das Gelesene nachzudenken und dann ihre Schlüsse zu ziehen. Ich denke, am Ende muss, soll und darf etwas völlig anderes entstehen als bei meiner Vorgängerin.“

Abschließende Gewissensfrage: Ist die Currywurst in Berlin oder im Ruhrgebiet besser?

Vogelsang: „Der Unterschied zwischen den Würsten ist ja in jedem Wortsinn windelweich. Seit ich die gebratene Currywurst im Ruhrgebiet öfter gegessen habe, mag ich die Berliner Variante mit der Brühwurst nicht mehr.“

Fotos: © Gerd Krause

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