Interview zum Reflektionswochenende des Frauenhauses Oberhausen

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Interview zum Reflektionswochenende des Frauenhauses Oberhausen

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Bereits im zweiten Jahr fördert die Brost-Stiftung das Frauenhaus in Oberhausen innerhalb eines besonderen Angebots: Die Frauen – auch Ehemalige – verbringen mit ihren Kindern und Mitarbeitern des Frauenhauses ein entspanntes Wochenende in einer Jugendherberge in Wiehl mit Programm und Betreuung. Anlass für uns, einmal nachzufragen.

Um die Anonymität zu wahren, hat Suna Tanis-Huxohl vom Frauenhaus Oberhausen unsere Fragen gestellt.

Frau K. ist Türkin und Ende 30, eine aufgeweckte, fröhliche Person. Jetzt wieder – denn vor ein paar Jahren suchte sie mit ihren drei Kindern Zuflucht im Frauenhaus. Sie war rastlos, sprach erstmalig dort über die Gewalt und Demütigungen und die viele Arbeit, die ihr innerhalb der türkischen Großfamilie aufgebürdet wurde. Die Kinder litten. Ihr Mann war drogen- und automatensüchtig und dadurch kleinkriminell. Auch war er gewalttätig. Sich und besonders auch ihren Kindern wollte sie das nicht mehr antun. Frau K. kam über die Frauenberatungsstelle zum Frauenhaus Oberhausen und machte sich auf den Weg in ein neues Leben.

Was hat sich nach dem Aufenthalt im Frauenhaus für Sie verändert?

Frau K.: „Alles. Wir haben endlich Ruhe und sind zufrieden, wir können durchatmen, sind glücklich, lachen. Die Angst vor Streitereien und Gewalttätigkeit ist vorbei. Ich lebe nun alleine und bin stolz auf mein Zuhause. Ich habe eine Arbeit gefunden, meine älteste Tochter geht zur Universität und ist frei in ihren Entscheidungen. Auch bei den anderen Kindern haben sich die Trennung und der Aufenthalt im Frauenhaus positiv auf unseren Lebensweg ausgewirkt. Mit der Beratung in all den Lebenslagen konnte ich mich besser und einfacher in dieser ‚neuen‘ Welt orientieren und meine Kinder viel besser unterstützen. Bis heute stehen mir die Türen im Frauenhaus offen, die Mitarbeiterinnen helfen, wo sie nur können.“

Was hat Ihnen das Wochenende in Wiehl gebracht?

Frau K.: „Seit vier Jahren habe ich keinen richtigen Urlaub gehabt. Das Wochenende war eine Veränderung in meinem Alltag als Alleinerziehende. Gerade mit den Kindern kostenlos ein solches Angebot annehmen zu können, ist toll. Ich könnte mir das nicht leisten.
Der Austausch mit anderen Frauen war sehr wichtig für mich. Gerade auch mit Frauen, die Ähnliches erlebt haben wie ich. Auch mit Frauen aus dem muslimischen Umfeld. Das war aufschlussreich und hat mich seelisch gestärkt, ein Gefühl der Solidarität ausgelöst. Ich fühle mich nicht mehr allein und isloliert. Die Kinder konnten befreit reden.“

Welche Angebote waren für Sie besonders gut?

Frau K.: „Es war alles durchorganisiert. Wir Frauen mussten uns um nichts kümmern, auch nicht kochen. Es gab verschiedene Angebote und Kinderbetreuung. Gruppenspiele z.B., auch Sauna, Ausflüge mit Picknick, sportliche Aktivitäten wie Minigolf, Volleyball und Basketball. Entspannung und Aktion im Wechsel. Viel Lachen in fröhlicher Atmosphäre.“

Ist der Austausch mit anderen Betroffenen wichtig?

Frau K.: „ Natürlich. Diese Frauen können mich und mein Leben besser verstehen, meine Sorgen und Nöte, aber auch meine Wünsche und Bedürfnisse einordnen. Die sind oft anders als bei Menschen, die keine Gewalt kennen.“

Sind aus dem Kontakt zum Frauenhaus Freundschaften entstanden, die Fortbestand haben?

Frau K.: „Durch das Leben im Frauenhaus sind Kontakte entstanden, die immer noch Bestand haben. Ich bin mit einigen meiner Weggefährtinnen gut befreundet, wir haben Ähnliches erlebt und wir unterstützen uns, wo immer es geht. Durch das Ehemaligenfrühstück, das einmal im Monat im Frauenhaus stattfindet, und durch die Beratungsangebote lerne ich immer neue Frauen kennen. Auch in Wiehl habe ich nette Bekanntschaften gemacht und eine sehr nette Frau kennengerlernt. Wir wollen uns demnächst treffen. Ich hoffe, es wird daraus etwas Dauerhaftes.
Mit dem Frauenhaus kam ich in eine fremde Stadt. Ich kannte niemanden und konnte aus Sicherheitsgründen auch keinen Kontakt zu meinen Freundinnen und zur Familie in meiner Herkunftsstadt aufnehmen. Auch heute habe ich kaum Kontakt zu Freundinnen dort. Der Kontakt zu meiner Familie ist zwar wieder aktiviert, aber hier in meiner Nähe lebt nur ein Bruder. Der Rest lebt in meiner Heimat Türkei. Deshalb freue ich mich sehr darüber, dass sich mit Hilfe des Frauenhauses Bekanntschaften entwickeln konnten.“

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