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Für große Kunst müssen kleine Fische umziehen

Erster Spatenstich zum Erweiterungsbau des Josef Albers Museum Quadrat Bottrop

So wie Annette Gigon über einen Neubau, sprechen Mütter gerne über besonders wohlgeratene Töchter...

„Das Gebäude will keine Primadonna sein,“ beschreibt die Schweizer Architektin ihren Siegerentwurf zum Ausbau des Josef Albers Museum Quadrat. „Sondern den Hintergrund bilden für die Kunstwerke im Stadtgarten.“ Äußerlich gleicht der zweigeschossige Bau mit seiner Metall-Fassade, für den jetzt feierlich der Grundstein gelegt wurde, dem benachbarten Küppers-Bau. Drinnen bietet er mit gläsernen Dachelementen (aber nur vier Fenstern) viel Platz für Kunst und Raum für die Museumspädagogik.

Mit der geplanten Fertigstellung 2020 soll ein chronisches Dilemma des Hauses ein Ende haben: In dem rund 700 Quadratmeter großen Erweiterungsbau können die Wechselausstellungen gezeigt werden. Bislang müssen die Arbeiten von Namensgeber Josef Albers, über dessen europaweit größte Sammlung das Museum verfügt, in der Dauerausstellung jedes Mal abgehängt werden, wenn eine Sonderschau ansteht.

Von den auf rund 10 Millionen Euro bezifferten Kosten des Projekts übernehmen mehr als die Hälfte die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach- Stiftung, die Josef and Anni Albers Foundation, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie Land und Bund. 4,5 Millionen Euro wollen Sponsoren wie die Brost-Stiftung, die Evonik Stiftung und die RAG-Stiftung übernehmen. Dort wurde übrigens die Idee geboren, nach dem Ende des Steinkohlebergbaus 2018, etwas Nachhaltiges für die Bergbaustadt Bottrop zu schaffen.

Große Dinge bedürfen nicht selten kleiner Opfer. Die erbrachten in diesem Fall die Fische im Teich des Außenbereiches - sie mussten umziehen! Der Teich und das umliegende Biotop werden einige Meter zur Ankunftsstraße hin verschoben, Mitglieder des Fischervereins „Petri Heil“ halfen bei der Umsiedlung. Trotz schonenden Umgangs mit dem Baumbestand müssen einige Bäume gefällt werden, damit die Baufahrzeuge problemlos durchkommen.

Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler (SPD) wies beim ersten Spatenstich auf die überragende Bedeutung des Museumsprojektes hin: „2018 ist ein bedeutsames Jahr für Bottrop. In wenigen Wochen schließt mit Prosper-Haniel die letzte Zeche des gesamten Ruhrgebiets. Dies bedeutet das Ende eines wichtigen Kapitels unserer Stadtgeschichte ebenso wie der deutschen Industriegeschichte.

Natürlich kam der Abschied von der „Kohle“ nicht plötzlich und Bottrop hat seine Chancen und Potenziale genutzt, um neue Wege zu gehen. So wurde ein Strukturwandel begonnen, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Bottrop ist nicht mehr nur die Stadt der Bergleute, sondern dank InnovationCity und anderen ganzheitlichen Projekten eine moderne, energieeffiziente Großstadt.

Mit dem Erweiterungsbau des Museumszentrum Quadrat wird unsere Stadt darüber hinaus ihren Bürgerinnen und Bürgern sowie allen Kunstinteressierten weltweit ein anziehendes kulturelles Angebot bieten.“

Künftige Museumsbesucher betreten den Neubau über eine Verbindungsbrücke, ein Fenster schafft dabei freie Sicht auf den Park. Der Rundgang im Inneren führt durch acht unterschiedlich dimensionierte Ausstellungsräume. Vier große Fenster auf je einer Seite gewähren den Besuchern Ausblicke in den Stadtgarten und gleichzeitig den Spaziergängern von außen Einblick in das Museum. Für die gleichmäßige Beleuchtung der Kunstwerke mit Tageslicht sorgen die Oberlichter des Sheddachs. Die Proportionen der Räume, die Tür- und Fensteröffnungen sowie die Materialien sind so gestaltet, dass sie der Wahrnehmung der Kunstwerke dienen. Die Kunst hat Vorrang: Sie erhält mit dem Erweiterungsbau mehr als bloße Hänge- und Stellflächen, ihr wird „Raum gegeben“.

Bis zur Eröffnung des Neubaus bietet das Albers Museum trotz Bautätigkeit Ausstellungen in gewohnter Qualität, aktuell eine Gruppenausstellung der Künstler Bernhard Fuchs (Fotografie), Justin Matherly (Skulptur) und Tobias Pils (Malerei).

Titelbild © Stadt Bottrop

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