Nr. 5: Natasha and Yousef forever
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Nr. 6: Just a lousy end for a great day
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Nr. 9: Nirwana um 17 Uhr

Ich sehe sie auf einem fast leeren Parkplatz neben dem Restaurant Nirwana auf der Essener Alfredstraße aus dem Wagen steigen. An einem Sonntag gegen 17 Uhr. Der Vater schließt den Wagen ab. Die Mutter hilft den Töchtern. Ich weiß auch nicht, was mich berührt. Ich glaube, es ist eine Geste der Mutter. Die Art wie sie den Kindern aus dem Wagen hilft. Ich gehe auf die Familie zu. Der Vater ist sofort bereit, zu antworten. Nein, nicht über das letzte Glücksgefühl, sondern über seine erste bewusste Glückswahrnehmung will er mit mir sprechen: Die Geburt seiner ersten Tochter.

Er legt gleich los und ich sage: „Moment, Moment mal. Lassen Sie mich erst meinen Notizblock herausholen.“ Dann sage ich: „Also, wie war das?“

Seine Schwägerin hätte bei seinen Eltern angerufen, setzt er an.

„Ach, Sie haben damals noch bei den Eltern gelebt?“, wundere ich mich.

„Aber nein“, korrigiert er sogleich, er sei nach zwei Tagen, die er mit seiner Frau im Krankenhaus verbracht hätte, zu den Eltern gefahren. Und gerade als er eingeschlummert sei, hätte Joana ...

„Die Schwägerin“, sage ich.

„Nicht wirklich“, erwidert er. Sie sei die Frau des Bruders der Mutter.

Die Frau des Bruders der Mutter? Egal, denke ich und greife wieder auf: „Joana hat sie also angerufen. Und dann?“

Und dann sei er so schnell zurück ins Krankenhaus gefahren, dass er geblitzt worden sei. 'Ich werde Vater', hätte er dem Polizisten gesagt. Strafe hätte er dennoch zahlen müssen.

„Nein, nein, nein“, sage ich, „so leicht kommen Sie mir nicht davon. Wie war das, die Kleine in den Händen zu halten?“

Ich blicke zu der Kleinen hinunter. Sie heißt Dafne-Su. Sie ist ungefähr sechs und wartet geduldig neben ihrer jüngeren Schwester darauf, dass Hakan, ihr Vater, Worte für sein Glück findet.

„Sie hat mir vor die Füße gekackt“, sagt er. „Genau vor die Füße, als ich sie das erste Mal hielt.“

Wir lachen alle. Und ich weiß, er hat diese Geschichte bestimmt schon hundert Mal erzählt.

„Ist das unser Schlusswort?“, frage ich.

„Sie hat mein Leben verändert“, fügt er hinzu.

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