Nr. 17: Ein Becher Eis
6. September 2018
Nr. 5: Natasha and Yousef forever
6. September 2018

Nr. 2: Splash!

Sie rutschen kreischend ins Wasser, klettern nass aus dem Becken, stellen sich an, um wieder hinunterzurutschen. Das Grugabad in Essen wurde im Juni 1964 eröffnet. Der Architekt starb im August. Dass die Arbeiterkinder des Ruhrgebietes diese Rutsche Jahr für Jahr erklettern würden, hat er nicht mehr gesehen. Doch dass die Rutsche den Mittelpunkt des Schwimmbades bilden würde, muss er erahnt haben. Eine Elefantenrutsche: Kinderglück seit sechs Jahrzehnten. Es gibt wenige Orte, die das Glück aufbewahren. Gemein hat das Grugabad mit all den anderen Räumen des populären Vergnügens, dass es den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Den Menschen. Nicht sein Arbeitspensum. Nicht seine Arbeitskapazität. Dass hier einer das menschliche Maß auch in den Proportionen berücksichtigt, denn die Rutsche ist weder zu groß, noch zu klein, genauso, wie eine Kinderrutsche zu sein hat, sticht ins Auge. Dies ist eine Region des Gigantischen: Werksgelände vereinnahmen ganze Stadtteile. Straßen sind für Autos geplant. Hochöfen überragen Kirchtürme. Einwohner wurden nicht um Marktplätze, sondern in Arbeiter- oder Hochhaussiedlungen neben Industrieanlagen untergebracht.

Ja, diese Region wurde von einer Handvoll Unternehmern geschaffen, die von Maschinen träumten, technischen Erneuerungen, effizienten Arbeitsprozessen, steigenden Gewinnen. Von Massenproduktion, Rationalisierung, Zusammenlegung, Optimierung und Rentabilität.

Im Grugabad träumte einer für Kinder.

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