Schon als Kind war mir die Spargelzeit die liebste. Wenn Ende April die ersten Stangen auf den Markt kamen, die ersten Verkaufsstände aufgebaut wurden, so wusste ich, dass Sommerferien näher rückten. So nah rückten sie Woche um Woche, dass ich das Gelächter meiner Freundinnen im Freibad zu hören, den Sonnenbrand auf meinen Schulterblättern schon zu spüren glaubte. Kam dann die Kirschenzeit und rannte ich endlich barfüßig durch den Garten, so blickte ich ängstlich auf die immer länger werdenden Schatten, die unsere Kinderkörper warfen. Sie verkündeten mir, dass ich mich bald in die neuen, gleich zu Schulbeginn gekauften Schnürschuhe würde zwängen müssen. In die Kleider, die das Kindermädchen mir abends auf den Stuhlrand legte. Und etwas später in den Mantel, die Strumpfhose, Fäustlinge, Stiefel und in den streng geregelten und mir unendlich trostlos erscheinenden Tagesablauf eines Schulkindes. Bei den Zwetschgen aber, wenn ich dann tatsächlich wieder den Schulranzen umschnallte, freute ich mich, die Freundinnen wiederzutreffen.

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