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Nachbarlandbesuch mit Experten-Coaching

Im Jugendaustausch Ruhrgebiet Niederlande der Brost-Stiftung finden Schüler und Lehrer den Blick auf das Besondere

In diesen Wochen starten die nächsten Fahrten in Richtung Niederlande im Projekt „Jugendaustausch Ruhrgebiet Niederlande“ der Essener Brost-Stiftung. Durch diesen „klassischen“ Schüleraustausch mit Besuch der Schulen im Partnerland, Gastfamilien und Kulturprogramm will die Stiftung interkulturelle Fähigkeiten vermitteln und den Blick für die Unterschiede und für die Ähnlichkeiten der jeweiligen Nachbarregionen schärfen. Denn in Zeiten der grenzenlosen Freiheit, in denen Berufs-, Freizeit- und Kulturpendler millionenfach zwischen dem Ruhrgebiet und den Niederlanden hin- und herfahren, geht der Blick auf die Besonderheiten des Nachbarn verloren. Damit Schülerinnen und Schüler so viel wie möglich vom Projekt mitnehmen, setzt die Stiftung auch auf das Wissen von Experten. Eine davon ist Helga Gundlach, die als Interkulturelle Trainerin die mitreisenden Lehrerinnen und Lehrer schult.
„Interkulturelle Kompetenz hat niemand von Geburt an“, sagt Gundlach. „Es bedarf immer einer Auseinandersetzung mit dem Unbekannten. Das geschieht im Alltag ohne Anstoß von außen eher selten.“ Hier liege die Stärke des Projekts der Brost-Stiftung. Die Schülerinnen und Schüler werden aktiv an das Partnerland herangeführt und lernen so einen neuen Blick auf die anderen, aber auch auf sich selbst. Das dabei, auch dank der kompletten Finanzierung durch die Stiftung, niemand ausgeschlossen wird, sei ein weiterer Vorteil des Projekts, findet die erfahrene Trainerin. „Dass auch Schülerinnen und Schüler aus sozialen Milieus einbezogen werden, deren Eltern ihnen solche Reisen selten ermöglichen, ist wirklich begrüßenswert.“ Eine neue Kultur kennenzulernen sei eine Bereicherung für jeden.

Messbarer Erfolg des Austauschs

Dass ein solcher Schüleraustausch Spaß macht, ist unbestritten. Doch im Rahmen des Projektes, möchte die Stiftung auch erreichen, dass die Schülerinnen und Schüler etwas lernen. So vielfältig wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind, so vielfältig zeige sich auch der Erfolg des Projekts, weiß Gundlach. „Einige sagen sicher, dass der Austausch cool war. Andere Reaktionen sind subtiler und für die Beteiligten selbst schwerer zu fassen. Doch gerade diese Erfahrungen sind nachhaltiger.“ So könnten die Jugendlichen andere Menschen mit Migrationshintergrund anders wahrnehmen oder sich mehr für die eigene Migrationsgeschichte ihrer Familie interessieren. Auch das Interesse an Fächern, die mit anderen Kulturen, Politik oder Gesellschaft zu tun haben, könnte sich steigern, nennt die Expertin einige Beispiele.

Auch die Lehrkräfte lernen etwas

Beim Austausch ließe sich viel über die besuchte Region lernen. Wichtig sei es dabei, neugierig, offen und flexibel zu sein, so Gundlach. Dann entdecke man das Unbekannte. Wichtig sei es aber auch, sich von seiner eigenen Vorstellung über die Partnerregion zu lösen und nicht zu meinen, man wisse schon wie die Niederländer oder die Deutschen sind. Das gelte insbesondere auch für die Lehrkräfte. „Sie müssen bereit sein, ihre eigene kulturelle Prägung zu reflektieren, und sich als Bestandteil eines Lernprozesses sehen. Wenn sie bereit sind, ihre Ansichten herauszufordern, und diese Haltung auch den Schülerinnen und Schülern vorleben, stehen die Chancen sehr gut für einen erfolgreichen und lehrreichen Austausch.“
  • Der erste Schüleraustausch im Projekt „Jugendaustausch Ruhrgebiet Niederlande“ fand im März 2018 statt.
  • Seitdem nehmen jedes Jahr auf deutscher und auf niederländischer Seite je acht Schulen mit über 300 Schülerinnen und Schülern am Projekt der Brost-Stiftung teil, vollständig finanziert durch die Stiftung.
  • Das Projekt wird von der Deutschen Botschaft in den Niederlanden unterstützt und wurde mit dem Preis „Europa bei uns zu Hause“ ausgezeichnet.
  • Es ist auf insgesamt fünf Jahre ausgelegt.

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