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Mit dem Fahrrad in die Zukunft?

Weltweit werden Modelle für nachhaltigen City-Verkehr erprobt. Brost-Projekt mit NRW-Verkehrsminister Wüst will die besten ins Ruhrgebiet übertragen

Von der Bestellung im Internet zum Stau sind es nur wenige Clicks – Amazon liefert nicht nur gute Gefühle, sondern sorgt auch für schlechte Luft!

Die gewaltige Zunahme des Onlinehandels beschleunigt gerade den täglichen Verkehrsinfarkt in den Innenstädten des Ruhrgebiets. Eine Verbesserung der Situation gehört zu den drängenden Herausforderungen zukunftsorientierter Verkehrspolitik. Um Stau-, Lärm- und Schadstoffbelastungen zu reduzieren, sind leistungsfähige Mobilitätslösungen sowohl für den Personen- als auch im Besonderen für den Güterverkehr im bevölkerungsreichen Ruhrgebiet notwendig.
In Kooperation mit dem Ministerium für Verkehr des Landes Nordrhein- Westfalen hat die Brost-Stiftung unter dem Titel „Mobilität im Ruhrgebiet“ ein Projekt zur Verbesserung der Verkehrssituation im Revier initiiert.

In dessen Mittelpunkt steht die City-Logistik, herausgehoben die Fragestellung: Wie lässt sich die Anlieferung von Waren in den Laden oder von Paketen an die Haustür vor den o. g. Herausforderungen besser organisieren?
Vernetzte und digitalisierte Mobilitätslösungen können nicht vergleichbar zu einem neuen Anzug von der Stange gekauft werden. Sie sind Maßanfertigungen, die an die konkrete Situation im Ruhrgebiet angepasst werden müssen.
Dabei soll das Ruhrgebiet durchaus von bereits bewährten Konzepten lernen, wenn diese sich als übertragbar erweisen. Nürnberg erprobt beispielsweise im zentralen Altstadtbereich Fahrräder als alternative Transportmittel. Im März 2017 setzte nach einer Erprobungsphase der operative Geschäftsbetrieb ein, bis Ende September 2017 wurden bereits über 70.000 Pakete mit derzeit acht Pedelec Lastenfahrrädern zugestellt. Arbeitstäglich werden auf diesem Weg aktuell mindestens 800 Pakete transportiert.

Am 27.02.2019 findet zum Projektauftakt ein Fachsymposium („Citylogistik für das Ruhrgebiet“) statt, bei dem der Minister für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), das Gemeinschaftsprojekt (siehe Begleittext) vorstellt.
Die Brost-Stiftung wird nicht nur als Initiator mittels einer finanziellen Förderung, sondern wesentlich auch als Moderator und Netzwerker im Ruhrgebiet benötigt.
In dessen erster von drei geplanten Phasen sollen etwa zehn weltweit erprobte Lösungen mit dem Schwerpunkt auf der sogenannten Last-Mile-Logistik identifiziert werden, die Potenzial für eine Umsetzung im Ruhrgebiet aufweisen. Taugt vielleicht das im niederländischen Utrecht praktizierte Modell einer Kombination aus Elektro-Zug und Lastenfahrrad als Blaupause? Oder sollte man sich an anderen Beispielen orientieren, wie sie eine Studie der IHK Köln aus dem Januar 2018 präsentiert? Am Ende werden in einer öffentlichen Veranstaltung die Top Ten vorgestellt und zur öffentlichen Diskussion freigegeben.
Bürger und Experten können aus diesem Angebot für die zweite Phase des auf zwei Jahre angelegten Projektes drei Modelle auswählen, deren Umsetzung für das Ruhrgebiet intensiv geprüft wird. In dieser Projektphase ist der intensive Austausch mit allen an der Logistik beteiligten Stakeholdern zu organisieren, von Kommunen über beteiligte Lieferunternehmen bis hin zu den Herstellern alternativer Transportmittel und schließlich der betroffenen Bürger. Im Idealfall gelingt in Phase drei die Adaptierung und Umsetzung der ausgewählten Konzepte. Dann könnte auch im Ruhrgebiet möglich werden, was in bestimmten Distrikten von Paris mit dem sogenannten „DISTRPOLIS“-Konzept erreicht wurde: Durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen reduzierten sich die CO2-Emmissionen innerhalb von vier Jahren von 2066 Tonnen jährlich auf nur noch 308 Tonnen in 2015!

„Auch bei diesem Thema gilt: Nur Dialog schafft Akzeptanz. Funktionieren tut nur was akzeptiert wird. Funktionierende Realität entsteht im organisierten Zusammenspiel der Beteiligten und Betroffenen. Das wollen wir ermöglichen.“ erläutert Bodo Hombach, zweiter Vorsitzender der Brost-Stiftung. Er wird in das Fachsymposium im Lokschuppen Bottrop einführen.

Im Erfolgsfall könnte nicht nur die Lebensqualität der Menschen im Ruhrgebiet steigen, sondern auch der Logistik-Markt als relevanter Wachstumsmarkt zusätzliche Impulse bekommen. Schließlich ergeben sich zusätzlich Effekte für den Arbeitsmarkt, weil die benötigten Spezialfahrzeuge bisher noch nicht in Massenherstellung produziert werden. Von San Sebastian (Spanien) bis ins englische Leeds wurden in diversen Modellversuchen Lastenfahrräder bedarfsorientiert neu konzipiert – für die schnelle Lösung genügen freilich ein paar Clicks. Amazon bietet ein gutes Dutzend verschiedenster Modelle an, Nachteil siehe oben ...

Titelbild © Mark Keppler

„Citylogistik für das Ruhrgebiet“

Die Verbesserung der Verkehrssituation ist für die Menschen im Ruhrgebiet eine der dringlichsten Aufgaben. Die deutliche Verminderung der Emissionen ist zwingend erforderlich, um nicht nur die Lebensqualität der Bewohner im Ruhrgebiet zu verbessern, sondern auch die hiesige wirtschaftliche Prosperität weiterhin garantieren zu können.

In Kooperation mit dem Ministerium für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen hat die Brost-Stiftung ein Projekt zur Verbesserung der Verkehrssituation im Ruhrgebiet initiiert. Weitere Beteiligte sind die Städte Bottrop, Herne sowie Oberhausen. Im Rahmen dieses Projekts veranstaltet die Brost-Stiftung mehrere Symposien mit Fachexperten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und öffentlicher Verwaltung. Ziel ist es, bereits vorhandene Konzepte innovativer City-Logistik im Sinne einer „Fast-Follower-Strategie“ hinsichtlich eines Transfers ins Ruhrgebiet zu diskutieren.

Am 27.02.2019 fand zum Projektauftakt ein Fachsymposium im Lokschuppen Bottrop mit dem Titel „Citylogistik für das Ruhrgebiet“ mit NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst statt. Weitere Teilnehmer werden Bernd Tischer, Oberbürgermeister der Stadt Bottrop, Daniel Schranz, Oberbürgermeister der Stadt Oberhausen, Dr. Frank Dudda, Oberbürgermeister der Stadt Herne, sowie Prof. Dr.-Ing. Christian Holz-Rau, Technische Universität Dortmund, und Carmen Schmidt als Sprecherin der Logistik-Initiative des Modellprojekts Hamburg sein.

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