Star-Trompeter will mit seiner Fotoausstellung Melting Pott im Museum Küppersmühle die symbolträchtige Vielfalt des Ruhrgebiets darstellen

Die ersten Fotos von Till Brönners Ruhrgebiets-Streifzügen sind da…

A40 bei Nacht © Till Brönner

Till Brönner, Autobahnüberführung, Essen, 2018, © + courtesy Till Brönner

Wir sehen einen Ausschnitt der A40 bei Nacht, an deren Überführung der legendäre Torschrei aus der Reportage von Herbert Zimmermann bei WM-Finale 1954 verewigt ist. Eine Hommage anden Ruhrgebietsjungen Helmut Rahn, dessen Tor zum 3:2 gegen Ungarn Deutschland den Titel bescherte.

Wir sehen Mario Götze, den Finalhelden von 2014, auch ein Fußballgewächs der Region. Auf dem formatfüllenden Porträt wirkt er ungewohnt ernst. Und ungewohnt farbig, verglichen mit den überwiegend in Schwarz-Weiß gehaltenen Bildern der bevorstehenden Ausstellung.

Brönner sagt: „Das Ruhrgebiet ist ohne Fußball nicht zu erzählen. Hier wird dem Fußball traditionell eine zentrale Rolle beigemessen, und mich interessieren beide Seiten – Fans und Akteure.“ Die Fotostrecke bildet jedoch weit mehr als die Welt rund ums Rasenviereck ab.

Wir sehen einen Bergmann auf Schicht, Dokument einer vergehenden Industrieepoche. Wir sehen Architekturgeschichte, unterhalb der Ruhrtalbrücke aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel eingefangen. Und mit Atze Schröder sieht uns der spezielle Humor des Ruhrgebiets schelmisch ins Gesicht.

WM-Held Mario Götze © Till Brönner

Till Brönner, Mario Götze Dortmund, 2018, © + courtesy Till Brönner

Wir sehen aber bisher nur einen kleinen Ausschnitt der späteren Ausstellung. Aktuell nutzt Brönner die frühlingshaften Temperaturen, um vor allem draußen Menschen ins Bild zu setzen: „Die nächsten sechs Wochen werden der geplanten Ausstellung noch einmal einen besonderen Fokus geben.“

Ab 3. Juli werden die fotografischen Höhepunkte eines ganzen Jahres intensiver Ruhrgebietsbegegnung zunächst im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg gezeigt. Später soll die Ausstellung, für die Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Schirmherrschaft übernommen hat, auch an anderen Orten in Deutschland und den Nachbarländer präsentiert werden.

Damit vollendet sich ein ungewöhnliches und ambitioniertes Projekt, das vor mehr als zwei Jahren auf Initiative der Brost-Stiftung in einem Telefonat von Vorstand Bodo Hombach mit Till Brönner vereinbart wurde. Hombach erklärt lächelnd die Motive der Stiftung: „Der Ruhri spottet: Niemand liebt Dich, wieso ich? Die Menschen des Ruhrreviers haben Anerkennung und Respekt verdient. Keiner kann ihnen das besser spiegeln und es andere entdecken lassen, als ein Kreativer von Weltrang.

So sensibel Till Brönner einer Trompete feinste Nuancen entlockt, so einfühlsam richtet er ein Objektiv auf Charaktere und Charakteristisches“.

Bergmann auf Schicht © Till Brönner

Kumpel, Zeche Prosper Haniel, Bottrop 2018 © + courtesy Till Brönner

„Das Ruhrgebiet ist mir ans Herz gewachsen“

Brönner erinnert sich an eine emotionale Mischung aus Freude und Verwunderung beim ersten Kontakt mit den Initiatoren der Brost-Stiftung: „Meine fotografischen Arbeiten waren in einem Frühstadium und noch keiner breiten Öffentlichkeit gegenwärtig.“ Er kam gerade aus Los Angeles zurück, seinem damaligen Lebensmittelpunkt. Die Einladung, sich mit dem Ruhrgebiet in Rahmen eines Fotoprojektes samt finaler Ausstellung auseinanderzusetzen, hat ihn gleich gelockt. „Mir war klar, das wird eine gewaltige Herausforderung. Und ich liebe Herausforderungen.“

Aus Neugierde und Ambition für sein Projekt ist in den vergangenen Monaten eine Herzensangelegenheit gewachsen. „Dieses Jahr hat zu derart intensiven Begegnungen geführt, die mich im weiteren Leben begleiten werden. Ich habe ganz neue Seiten des Ruhrgebiets kennen gelernt und viele Menschen ins Herz geschlossen.“ Was bedeutet das für die Fotomotive der Ausstellung? Brönner: „Nur so viel vorweg: Das Ruhrgebiet ist in seiner Vielseitigkeit, Vielfarbigkeit und Vielschichtigkeit nicht vollständig zu erfassen. Diversität ist das Symbol der Region.“

Ruhrtalbrücke © Till Brönner

Till Brönner, Ruhrtalbrücke, Mülheim 2019, © + courtesy Till Brönner

In der Projektbeschreibung der Stiftung finden sich ein paar weitergehende Details: „Die Ausstellung wird eine Dokumentation von Charakteren, Orten und Gegenwartszenarien des Ruhrgebiets. Bekannte Köpfe mischen sich mit weniger bekannten, historische Wahrzeichen mit architektonischen Neuzugängen, Klischees mit heutiger Realität. Ziel ist eine sehr persönliche Sicht auf Geschichte und Wandel einer Region, deren DNA eine zutiefst menschliche und, aus politischer Sicht, beispielhafte für das Zusammenleben der Kulturen und Gesellschaftsschichten in Deutschland ist.“

„Brönners Bilder graben sich in die Köpfe ein“

Der weltweit erfolgreiche Jazz-Musiker Brönner (spielte schon für Barack Obama im Weißen Haus) ist noch unschlüssig, welche Fotos am Ende die Ausstellungsstrecke bilden. „Sind es Porträts, Köpfe, Menschen flüchtig auf der Straße fotografiert? Man kommt auch nicht an der Architektur vorbei, wenn man Veränderung zeigen will. Aber gerade hier ist bereits erdrückend viel da. Und noch einmal die gleiche Ruine zu fotografieren, kann es ja nicht sein.“

Er will seinem persönlichen künstlerischen Anspruch gerecht werden, „das Inhomogene am Ruhrgebiet“ zu thematisieren. „Die Ausstellung soll weder repräsentativ noch vollständig den Wandel abbilden.“

Comedian Atze Schröder © Till Brönner

Till Brönner, Atze Schröder, 2019, © + courtesy Till Brönner

Der Vorstand der Brost-Stiftung und insbesondere Bodo Hombach hat den Revierstreifzug und die Entstehung der Fotostrecke ständig mit großem Interesse begleitet, es gab in allen Phasen regen Austausch zwischen Brönner und der Stiftung. In Kenntnis vieler Bilder schwärmt Hombach: „Der Weltstar Till Brönner hat für die Brost-Stiftung SEIN Revier entdeckt. Er hat Bilder in die Welt gesetzt, die spiegeln, offenbaren und sich in Köpfe eingraben. So, wie der wunderbare musikalische Ohrwurm eines genialen Virtuosen. Wie Till Brönner eben.“

Die Ausstellung „Melting Pott“ wird vom 3. Juli bis zum 6. Oktober 2019 im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, gezeigt.

Weitergehende Presseinformationen finden Sie hier.

 

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