Rede Prof. Bodo Hombach: „Die Konzeption der Brost-Stiftung und die Förderung der Medienkultur“
29. Oktober 2015
Ideenwettbewerb Kooperation Ruhr: Den demographischen Wandel als Chance verstehen
11. November 2015

Rede Prof. Dr. Wolfgang Heit: „Unsere Stifterin Anneliese Brost“

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen des Vorstandes, des Kuratoriums und der Mitarbeiter unserer Stiftung möchte ich Sie ganz herzlich begrüßen. Ihr zahlreiches Erscheinen werten wir -vielleicht etwas unbe-scheiden, doch etwas stolz – als Anerkennung und Erfolg unserer erst kurz bemessenen Stif-tungstätigkeit. Der heutige Abend wird Ihnen einen kurzen Abriss unserer Projekttätigkeiten bieten und reichlich Gelegenheit sich untereinander auszutauschen. Wir möchten mit die-sem Abend gerne dafür sorgen, dass Sie uns gewogen bleiben als Ansprechpartner und Part-ner für hoffentlich weitere erfolgreiche Vorhaben.

Anneliese Brost war eine eigenwillige, starke und doch verletzbare Frau, nicht von allen ge-liebt, aber stets hoch geachtet und ob ihrer Geradlinigkeit in Wort und Tat hoch geschätzt. Sie war bescheiden in ihren alltäglichen Ansprüchen ohne den Annehmlichkeiten des Lebens abhold zu sein – vor allem im Kreise von Freunden und Gleichgesinnten. Sie war im besten Sinne des Wortes eine einfache Frau im privaten wie im beruflichen Umfeld – wohl die Grundlage ihrer allseits wahrgenommenen Autorität –. Ihre Ausstrahlung war geprägt durch sachliche Zurückhaltung; Emotionales fand hinter geschlossenen Türen statt.

Öffentlichen Lobensbekundungen hat sich Anneliese stets zu entziehen versucht. Eine Lau-datio, wie ich sie heute versuche, würde sie wohl mit Kopfschütteln abgetan und mir laut verkündet haben: „Was soll das? Hast Du nicht besseres zu tun?“ Aber am Ende des Abends – wäre sie unter uns – würde sie mit einem Glas Wein in der Hand fröhlich sagen: „War wirk-lich nicht nötig, aber schön, findest Du nicht auch?“

Wir sind hier in dem schönen Saal, der auf Geheiß von Anneliese dem Gedenken von Erich Brost gewidmet ist. Unter uns der markante Förderturm der größten und modernsten Zeche ihrer Zeit, Geschichte gewordenes Symbol einer Region – typischen Unternehmens und – Industriekultur; beides zusammengenommen mitbestimmend für die gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes in der Nachkriegszeit.
In diesem Horizont hat Anneliese Brost den Zeitspalt ihres Lebens ausgefüllt, mit persönli-cher Größe und Klarheit und legitimiert durch die erlittene Diskriminierung in einem totalitären System. Aus bescheidenen Anfängen, mit klappernder Schreibmaschine und Durchschlagpapier, hat sie den Wiederaufbau nach dem Krieg begleitet und zusammen mit Erich Brost mitgestaltet. Wie gedenkt man einer solchen Frau?

Vielleicht genügt es schon darauf zu verweisen, was uns heute hier zusammenbringt. Ihre Perspektive ging immer weiter als das persönliche Umfeld, weiter auch als der Verlag in seiner regionalen, nationalen und internationalen Vernetzung. Ihr wichtigstes Ziel war die Bewahrung und Weiterentwicklung des Homo Politikus, des selbstbestimmten, gleichermaßen aber sozial kompetenten Bürgers als Träger einer Kultur der offenen demokratischen Gesellschaft. Folgerichtig ging es ihr nicht nur um das allgemeine Wohl dieser, sondern auch vor allem der folgenden Generation. Ihr war immer bewusst: Erfahrungen der Geschichte und seien sie noch so schmerzhaft erworben, sind keine einmalige „Anschaffung fürs Leben“. Wenn sie nicht immer wieder beansprucht und immer wieder neu eingeordnet werden, atrophieren sie und gehen verloren. Negativereignisse vergangener Zeiten bekommen dann wieder Raum, und Gegenstrategien kommen nicht selten zu spät.

Wahrheitsliebe und ein verantworteter Journalismus waren für sie nicht verhandelbar.
 Dieser Charakterisierung von Anneliese durch Prof. Hombach stimme ich zu. Es trifft ihr ver-legerisches und persönliches Credo haargenau. Sie respektierte die Leute. Es lag ihr völlig fern sie hinters Licht zu führen. Eine Medienkultur, wie sie sich heute zunehmend abzeich-net, der die Veräußerung jedwelcher Gegebenheiten wichtiger ist als die Analyse und Bewertung ihrer Kausalitäten, stand Anneliese befremdet und ablehnend gegenüber. Sie sah diese Entwicklung durchaus kommen und war bemüht, ihr in ihrem Einflussbereich entgegenzuwirken. In jüngeren Jahren, zusammen mit ihrem Erich, hätte sie mit allen ihr verfügbaren Mitteln dagegengehalten. Angesprochen auf dieses Thema kommentierte sie stets und zunehmend etwas resignierend: „Unter Erich hätte es so etwas nicht gegeben“. Sie war – und hier kommt mein Gedenken an sie an den entscheidenden Punkt – immer die rechte Hand ihres Mannes. Sie hat sich sein publizistisches Credo zu Eigen gemacht und sein Erbe im besten Selbstverständnis und mit Inbrunst aufrechterhalten. Sie war – wie er – eine große Persönlichkeit von unverwechselbarer Authentizität und Ausstrahlung.

Auch als Stifterin war sie seines Geistes. Es war ihr wichtig, den Großteil ihres Vermögens im eigentlichen Sinne des Wortes zu verstehen und zu handhaben. Nicht als „angehäufter Reichtum“, sondern als das, was man damit „vermag“: Nämlich Ideen verwirklichen, Wege bahnen, Brücken bauen und junge Kräfte ermutigen, die wichtigen Dinge unserer Gesell-schaft voran zu treiben: Leben und Gestalten in Selbstbestimmung und in Verantwortungs-bereitschaft für die Belange der Gemeinschaft, die uns trägt.

Abschließend sei hinzugefügt: Es bereitet uns große Freude und Genugtuung, dem Ver-mächtnis von Anneliese Brost anhaltend Gestalt zu geben.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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