Macron-Debatte! Lustiger gab die Nörglerin
28. Mai 2018
Feuer und Flamme für Kunst & Kohle
13. Juni 2018

Move! 2018: Tanzschritte ins Leben

Gila Lustiger bei Probenbesuch vom Engagement der Schülerinnen und Schüler beeindruckt

Die Luft steht in der Turnhalle der Gesamtschule Ückendorf; nach mehreren Stunden Trainingsarbeit mehrerer Gruppen scheint der Sauerstoff irgendwie verbraucht. Gefühlte 30 Grad an diesem Nachmittag! Davon unbeeindruckt treibt Choreografin Jutta Maas ihre Gruppe an: „Eins, zwei, drei, vier – fünf, sechs, sieben, acht – Drehung. Eins, zwei, drei....“. 20 Schülerinnen und Schüler setzen Schritt vor Schritt, jeder auf den anderen achtend. Was für Gila Lustiger und einige wenige Trainingsbesucher schon annähernd perfekt wirkt, findet in Juttas Augen noch keine Gnade. „Alles auf Anfang, eins, zwei, drei, vier – fünf, sechs, sieben, acht...!“ Ohne Protest, sogar mit Lächeln in einigen Gesichtern, fangen die 14-jährigen Jungs und Mädels von vorne an.
WILLKOMMEN BEI MOVE! 2018 – das von der Brost-Stiftung geförderte Tanzprojekt bringt erneut mehr als 100 Schülerinnen und Schüler aus Gelsenkirchen und Umgebung in Bewegung. Die jungen Menschen sollen dabei nach Ankündigung in der Projektbeschreibung „sich und ihren Körper in einem schwierigen Abschnitt ihrer persönlichen Entwicklung anders kennenlernen“. Darüber hinaus „im Miteinander mit anderen, vorher zum Teil unbekannten Schülern, zu einer differenzierten Selbstwahrnehmung“ gelangen. Und schließlich die unbekannte Welt des Theaters entdecken und ins eigene Lebensumfeld integrieren.

Dazu steht am Ende des mehrmonatigen Trainings in den Arbeitsgemeinschaften der fünf Partnerschulen das große Ziel: Auftritt vor 1000 Zuschauern im Großen Haus des Musiktheaters Gelsenkirchen.
Die Performance „2081“ am 4. Juli (19.30 Uhr) ist in diesem Jahr inspiriert von George Orwells Roman „1984“, in dem eine gleichgeschaltete Gesellschaft von einem allwissenden Staat überwacht und gelenkt wird. „Doch, was geschieht, wenn sich jemand im System querstellt? Wenn trotz aller Regeln Hoffnung auf ein anderes Leben aufkeimt?“ – Dieser Frage wollen die jungen Tänzer laut Programmflyer in bewegten Bildern nachgehen.
„Nur durch harte Arbeit kann das gemeinsame Ziel erreicht werden“
Und dafür trainieren sie bereits seit mehr als einem halben Jahr. Mit sichtbarem Erfolg nicht nur bei synchronen Bewegungen. „Wenn man sich die Videos der ersten Proben anschaut, kann man noch die deutliche Distanz zwischen den jungen Leuten beobachten“, erklärt Projektleiterin Marika Carena. „Schauen Sie sich jetzt den vertrauten Umgang miteinander an. Sie haben sich kennengelernt und begreifen sich als Team, in dem einer auf den anderen angewiesen ist. Eine Erfahrung fürs Leben.“

Zu der Gila Lustiger als beobachtender Trainingsgast weitere ergänzt: „Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass sie nur durch harte Arbeit das gemeinsame Ziel erreichen werden. Sie müssen sich anstrengen, sie müssen synchron sein, erkennen, dass jeder einzelne Schritt wichtig ist.“

Neben der Vermittlung von Tugenden zur Lebensbewältigung geht nach Ansicht der Stadtschreiberin Ruhr der soziale Aspekt des Projektes erfolgreich auf: „Mich begeistert, wie das Tanztheater Kinder aus allen möglichen Schulen, unterschiedlichen sozialen Schichten und Lebensgeschichten zusammenbringt. Sie lernen sich kennen, sind bereit, gemeinsam hart zu trainieren. Ohne zu wissen, was am Ende dabei herauskommt.“


Die Eindrücke dieses stickig-schwülen Probentags in der tristen Dreifachhalle lassen für die Premiere im Großen Haus durchaus großes Tanztheater erwarten...

WAS BEWEGT MOVE?

2017 wurde vom Musiktheater im Revier (MiR) erstmals ein Tanzprojekt durchgeführt, in das Schüler Zugang über den Sportunterricht, AGs oder Wahlpflichtfächer an fünf Partnerschulen fanden. Die Brost-Stiftung unterstützte dabei (wie in diesem Jahr) u.a. einen Projektfilm, der in 20 Minuten die Erfolgsgeschichte dokumentiert. Für eine Neuauflage meldeten sich 2018 so viele junge Menschen an, dass eine zweite Tanz-AG am MiR eingerichtet werden musste.

„2081“ heißt die diesjährige Performance, sie beschäftigt sich mit Überwachung, Gleichschaltung, sowie dem Verlust persönlicher Grundrechte und Freiheiten.

Kommentarfunktion deaktiviert.