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Krebs im Alter – Brost-Stiftung fördert Forschungsprojekt

Die Brost-Stiftung fördert ein Forschungsprojekt zur geriatrischen Onkologie an den KEM I Kliniken Essen-Mitte mit 1 Million Euro

Zum Hintergrund bei Krebserkrankungen im Alter

Die Mitteilung einer Krebserkrankung ist für jeden Menschen, egal wie alt er ist, ein lebensverändernder Moment. Durch die Diagnose „Krebs" wird die Existenz eines Menschen von einem auf den anderen Augenblick in den Grund­ festen erschüttert. Oftmals geraten dadurch auch Angehörige und Freunde der Erkrankten in eine krisenhafte Lebenssituation.

0hne Zweifel hat die Krebsmedizin in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Diese beginnen mit dem Ausbau und der Verbesserung der Vorsorge und Früherkennung. Dadurch werden Krebserkrankungen oftmals schon im Vorstadium oder zumindest so früh entdeckt, dass gute Heilungschancen bestehen. Weiterhin gibt es heute gegen viele Krebsarten wirkungsvolle Therapien, so dass die Diagnose Krebs nicht mehr bedeuten muss, nur noch eine kurze Lebensspanne vor sich zu haben.
Aber selbst wenn die Krebserkrankung das Leben unmittelbar bedroht, hat die Palliativmedizin mittlerweile Behand­ lungsmethoden entwickelt, die auch schwerwiegende Symptome nachhaltig lindern können und letztendlich ein menschenwürdiges Sterben ermöglichen.
Der Mensch kann in jedem Alter an Krebs erkranken. Allerdings bedingt der sogenannte demographische Wandel unserer Gesellschaft, dass Krebspatientinnen und -patienten tendenziell immer älter werden. Die Summe an bestehenden Begleiterkrankungen alter Menschen stellt Ärztinnen und Ärzte - neben der eigentlichen Krebs­ behandlung - vor zusätzliche Herausforderungen.

Erkrankt ein Mensch im Alter an Krebs, dann müssen Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems, Diabetes und Lungenerkrankungen, aber auch die immer häufiger auftretende Demenz berücksichtigt werden.
Überdies sind alte Menschen häufig körperlich nicht mehr so belastbar. Sie leiden an Unterernährung und Bewe­ gungsmangel, wodurch ihre Mobilität eingeschränkt wird. Dies verschärft die gerade in unserer Gesellschaft zunehmende Vereinsamung alter Menschen. Das alles führt dazu, dass ein alter Mensch mit Krebs ein deutlich erhöhtes Risiko aufweist, durch eine nicht angepasste Krebsbehandlung schwere Nebenwirkungen zu erleiden.
Mit dem Projekt ‚Versorgungsverbesserung und Forschung bei älteren Patienten‘ greift die Brost–Stiftung ein allgegenwärtiges und bisher ungelöstes Versorgungsproblem der geriatrischen Onkologie auf.

Prof. Dr. Wolfgang Heit, Vorsitzender des Vorstands

Die Bost-Stiftung investiert nun in die Forschung.

Eine verbesserte Versorgung älterer Krebspatientinnen und -patienten ist das Ziel.

Vor dem Hintergrund dieser Ausgangssituation hat sich die Brost-Stiftung im Rahmen ihres Förderschwerpunktes „Alternde Gesellschaft" entschieden, mit den Krebszentren der KEM I Kliniken Essen-Mitte ein umfangreiches Forschungsprojekt aufzulegen, das die Verbesserung der Versorgung älterer Krebspatientinnen und -patienten zum Ziel hat.

Unter der Leitung des renommierten Krebsspezialisten Prof. Dr. med. Michael Stahl, Direktor der Klinik für lnternis­ tische Onkologie der KEM, wird nun systematisch erforscht, wie man die Behandlung und Betreuung krebskranker Menschen im hohem Alter passgenau auf deren Bedürfnisse ausrichten kann. Im Projekt wird nach wissenschaft­ lichen Erkenntnissen zu folgenden Themenkomplexen gesucht:
1. Krebstherapien dürfen alten Patientinnen und Patienten nicht vorenthalten werden, denn sie profitieren in gleicher Weise davon wie jüngere

Vielfach wird bei einer Krebserkrankung im Alter, ohne dass ausgewiesene Krebsexpertinnen und -experten hinzu­ gezogen werden, keine oder nur eine sehr eingeschränkte Behandlung vorgenommen. Ältere Krebspatientinnen und -patienten werden in der Regel erst gar nicht an entsprechend spezialisierte Krebszentren überwiesen.

Dieses Vorgehen wird damit begründet, die alte Patientin/der alte Patient vertrage keine Krebstherapie. Zuweilen wird sogar davon gesprochen, ,,eine Behandlung lohne sich nicht mehr". Diese Auffassung weist der Krebsexperte Professor Michael Stahl entschieden zurück: es sei unethisch, Betroffene alleine aufgrund ihres Alters von einer Krebstherapie auszuschließen. Klinische Studien haben belegt, dass ältere Patientinnen und Patienten von einer Krebstherapie, wie Operation oder Chemotherapie, in gleichem Maße profitieren können wie jüngere. Zudem wurden in den letzten Jahren Verfahren entwickelt, die auch ältere Menschen mit ihren o.g. Einschränkungen gut verkraften können.
2. Eine Krebsbehandlung muss eine Fülle von altersbedingten Aspekten berücksichtigen

Das Team um Professor Michael Stahl hat viel Erfahrung in der Erfassung altersbedingter Begleiterkrankungen von Patientinnen und Patienten mit Krebs. Laut Professor Stahl sind etwa 50% aller Patientinnen und Patienten seiner Klinik mindestens 70 Jahre alt. ,,Wir berücksichtigen deshalb systematisch die Vorerkrankungen, den Allgemein- und Ernährungszustand der Patienten sowie ihre Mobilität". Im Projekt wird gezielt untersucht, wie sich die Verabrei­chung von Krebsmedikamenten auf alte Patientinnen und Patienten auswirkt.

Ältere Menschen nehmen aufgrund häufig bestehender Erkrankungen von Herz, Kreislauf, Skelett oder Stoffwechsel m der Regel hochwirksarne Medikamente-ein. Auch in der Krebstherapie werden effektive Medikamente verabreicht. Dadurch kann es zu vielfältigen und schwerwiegenden Wechselwirkungen kommen, welche den Erfolg der Behandlung gefährden. Im Rahmen des Forschungsprojektes soll sichergestellt werden, dass die jeweilige Gesamtsituation der Patientinnen und Patienten erfasst wird, um die beabsichtigte und optimale Wirkung einer Krebstherapie zu erzielen und belastende oder gar schädigende Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.
In einer mehrjährigen Untersuchung an der Klinik für Hämatologie und Onkologie der Kliniken Essen Mitte sollen erste Antworten auf folgende Fragen gegeben werden:

  • In welchem Umfang können alte Menschen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen erfolgsversprechend mit tumorwirksamen Therapieverfahren - vor allem Zytostatika-basiert - behandelt werden?
  • In welchem Umfang beeinflussen sozialer Status und Bildungsniveau die Therapie-Aussichten (Prognose) geriatrischer Tumorpatienten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung?
  • In welchem Umfang beeinflussen gezielt eingesetzte, supportive Behandlungsmaßnahmen die Durchführbarkeit einer Chemotherapie, somit die Erfolgsaussichten des gesamten Behandlungskonzeptes – gemessen an der Lebensqualität und Überlebenszeit?
3. Nicht das Alter einer Patientin/eines Patienten alleine, sondern ihre/seine Gesamtsituation steuert „das Ob und Wie" einer Krebsbehandlung

In der Altersmedizin sind umfangreiche Eingangsuntersuchungen etabliert, um Defizite alter Menschen zu erkennen und gezielt zu behandeln. An den KEM werden solche Assessments auch bei älteren Patientinnen und Patienten mit Krebs regelhaft durchgeführt. Deren Ergebnisse gehen in eine Gesamtbeurteilung ein, die durch Fachärztinnen und Fachärzte der Altersmedizin und der Onkologie sowie nicht-ärztliche Fachkräfte getroffen wird. Im Rahmen des Forschungsprojekts soll gezeigt werden, dass ein solches aufwändiges Verfahren zur Einschätzung der Gesamt­ situation einer Patientin/eines Patienten zu einer passgenauen Krebstherapie führt, die sie/ihn vor schweren Nebenwirkungen bewahrt.
„Qualifizierte Antworten auf diese Fragen lassen einen erheblichen Fortschritt in der Versorgung von Tumorpatienten höheren Alters erwarten:

Behandlungsfähige und -willige ältere Tumorpatienten würden von dem gegebenenfalls verbesserten Behandlungskonzept profitieren;

geriatrische Tumorpatienten mit verlässlichen Zeichen einer zu erwartenden Intoleranz gegenüber der Chemotherapie könnten frühzeitig nebenwirkungsarmen, die Lebensqualität fokussierenden Behandlungsmaßnahmen zugeführt werden.“

Prof. Dr. Wolfgang Heit, Vorsitzender des Vorstands

4. Die Lebensqualität kann trotz Krebs im Alter erhalten werden

Aus vielen Untersuchungen bei Krebspatienten ist bekannt, dass Bewegung nicht nur die Lebensqualität, sondern sogar die Heilungschancen verbessert. Auch die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung ist gerade bei Patientin­ nen und Patienten mit einer Krebserkrankung nachgewiesen. ,,Viele unserer alten Patienten sind in ihrer Mobilität eingeschränkt; sie weisen zudem Zeichen der Mangelernährung auf", berichtet Professor Michael Stahl.
Im Forschungsprojekt wird ein besonderer Schwerpunkt auf den Erhalt oder die Wiederherstellung der Mobilität gelegt. Zudem werden die Patientinnen und Patienten hinsichtlich einer an ihre Situation optimal angepassten Ernährung beraten, um Mangelzustände zu beheben, dadurch eine wirksame Krebsbehandlung zu ermöglichen und nachhaltig sicher zu stellen. Gerade alte und alleinstehende Menschen fühlen sich im komplexen Betrieb eines Krankenhauses oft unsicher und hilflos. Durch die Förderung der Brost-Stiftung wird es möglich sein, älteren Pa­tientinnen und Patienten sog. Patientenscouts an die Seite zu stellen, die ihnen während und nach dem Aufenthalt im Krankenhaus Wege ebnen und Orientierungshilfe geben.

So naheliegend die genannten Fragestellungen auch sein mögen. Tatsache ist, dass diese in der Forschung bislang ein Schattendasein geführt haben - so wie die Forschung zu Krebs im Alter insgesamt vernachlässigt worden ist. Die gängige Finanzierung im Gesundheitswesen reicht allerdings bei Weitem nicht aus, um solche Fragen wissenschaftlich zu beantworten und dadurch die Behandlung von krebskranken älteren Patientinnen und Patienten zu verbessern. Genau dies ist das Ziel des vorgestellten Forschungsprojektes, das Dank der Brost-Stiftung an den KEM in den kommenden drei Jahren ermöglicht werden wird. Die Brost-Stiftung stellt einen Betrag von knapp 1Million Euro zur Verfügung, der durch eigene Mittel der KEM in gleicher Höhe ergänzt werden wird.

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