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Kunst & Kohle: Prof. Dr Wolfgang Heits Hommage an Jannis Kounellis
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Feuer und Flamme für Kunst & Kohle

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet verspricht bei Ausstellungseröffnung erneut 100 Mio. Euro für NRW-Kultur. Und kündigt Zukunftsplan fürs Ruhrgebiet an

Begleitet von einem Funkenregen frisst sich der Schneidbrenner in den Stahlträger, im Hintergrund wird bereits ein Winkelschleifer für den nächsten Arbeitsgang vorbereitet. Das Team von Bildhauer Bernar Venet zeigt bei der offiziellen Eröffnung der Ausstellung, wo sich „Kunst & Kohle“ besonders nahekommen: Hier wird malocht!
Venet gehört zu den herausragenden Bildhauern der Gegenwart, dessen Stahlskulpturen weltweit Beachtung finden. Er lässt die fein gekleideten Vernissagegäste im Museum Küppersmühle teilhaben, wenn aus einer eindimensionalen Zeichnung auf Papier mit viel Schmutz und Schweiß ein stählernes Kunstwerk entsteht. Seine ganz persönliche Hommage an Jannis Kounellis, der während der Vorbereitung zur Ausstellung 2017 verstarb und dem die u.a. von der Brost-Stiftung unterstützte Schau nun gewidmet ist.

Die Ausstellung (Dauer bis zum 28. Oktober) soll Denkanstöße anlässlich des finalen Ausstiegs aus der Steinkohle mit Ende 2018 liefern, die Macher sowie Unterstützer wollen dabei neben der historischen Einbettung aber vor allem nach vorne blicken.
So erläutert Professor Dr. Wolfgang Heit, Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung: „Der Bodenschatz und seine Gewinnung griffen mehr als 200 Jahre tief in den Alltag der Menschen ein. Sie entfesselten ungeheure Kräfte, erzwangen den Umgang mit schroffen Gegensätzen. Die überstürzte Umgestaltung der ganzen Region stellte so radikale Fragen, dass Künstler aktiv werden mussten, wenn sie sich selber nicht untreu werden wollten.“
Kohle bedeutet auch Kosten – „auf ewig“
Die Schau sei aber keinesfalls auf eine „Rück-Schau“ zu reduzieren, sondern blicke auf den künftigen Umgang mit dem einst wertvollen Rohstoff. Heit: „Es hat schon, gelinde gesagt, einen zart-morbiden Reiz, mit der heutigen Vernissage dieses Großprojektes die Finissage, den Abgang einer ganzen Epoche, zu begehen. Doch gemach – es ist nur Schein, wie wir alle wissen. Die Kohle bleibt präsent als unerbittliche, höchstwertige Hinterlassenschaft in den Tiefen des Reviers; und dort wo sie abgebaut worden ist, binden uns teure Kosten an sie - auf ewig, so die geltende Prognose.“

Ministerpräsident Armin Laschet knüpfte in seiner Eröffnungsansprache sehr direkte Verbindungen zwischen dem Kulturprojekt „Kunst & Kohle“ und der Realität im Revier. „Es ist höchst eindrucksvoll, wie sich 17 Kunstmuseen im Revier in einem solchen Projekt zusammenschließen. Was ergäben sich für Perspektiven, wenn die regionalen Verkehrsbetriebe diesem Beispiel folgen würden ...!“

Aus dem Bewusstsein um die Bedeutung der Steinkohle für die Prosperität einer großen Region könnten positive Impulse für den Lebens- und Wirtschaftsraum Ruhrgebiet erwachsen.
In einer neuen, von der Landesregierung initiierten „Ruhrkonferenz“ soll über die Zukunft des Ex-"Kohlenpotts" beraten werden: bessere Straßen und besseres Internet, die Wiederbelebung von Industrieflächen, modernere Stadtviertel und Bildung. Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kommunen, Kultur und Wissenschaft sollen mit am Tisch sitzen.

Die Rolle der Kunst beim Strukturwandel hat Ausstellungskurator Prof. Walter Smerling sehr selbstbewusst formuliert: „Der Werkstoff Kohle muss zum Rohstoff des Geistes werden. Dann kann aus der Kunst heraus ein Thinktank für die Zukunft des Ruhrgebietes entstehen.“
Fotos: © Georg Lukas

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