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Aufregende Ausstellung! Stört Kunst & Kohle die Traumhochzeit?

Ausstellungsreihe zum Kohleausstieg 2018 wird heftig diskutiert. Nächster Höhepunkt im Museum Küppersmühle

Für Hernes Oberbürgermeister Frank Duda ist es große Kunst. „Wir erleben hier ein monumentales Kunstwerk“, kommentierte er zur Eröffnung die Aktion „Coal Market“. Der ghanaische Künstler Ibrahim Mahama und seine Kletterer haben dafür die Fassade des Wasserschlosses Strünkede weitgehend mit gebrauchten Kohlesäcken verkleidet...

...was Jasmin Ballmann wie einen großen Alptraum wahrnimmt. Sie wollte im Sommer in der romantischen Kulisse mit 100 Gästen eine Traumhochzeit feiern. Und ist jetzt empört, von der Stadt nicht über die „Verhüllung“ im Rahmen des Ausstellungsprojektes „Kunst & Kohle“ informiert worden zu sein. KOHLE UND KUNST HABEN IMMER POLARISIERT, ABER DIE MENSCHEN GLEICHZEITIG AUF BESONDERE WEISE EMOTIONAL BERÜHRT.
Zum Ausstieg aus der Steinkohleförderung 2018 soll eine besondere Ausstellung der RuhrKunstMuseen daran erinnern. 17 Museen, 13 Städte, rund 150 künstlerische Positionen, ein Thema: die Kohle in der Kunst. Das größte städteübergreifende Ausstellungsprojekt, das je zu diesem Thema umgesetzt wurde, unterstützt u.a. von der Brost-Stiftung. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trägt die Schirmherrschaft. Zwischen dem 03. und 06. Mai 2018 haben die ersten teilnehmenden Museen ruhrgebietsweit ihre Ausstellungen eröffnet, das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg folgt wegen Umbauarbeiten am 08. Juni.

Prof. Dr. Wolfgang Heit, Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung, stellte zur Eröffnung auf der Zeche Zollverein heraus: „Zahlreiche Künstler stellen ihre Fragen an die vielen Realitäten des Reviers und finden radikal eigene Antworten. Dabei verharrt die große Retrospektive nicht in der Vergangenheit.“ Wichtig sei dabei, „die Bedeutung des Bergbaus – und dessen Ende – in ganz Deutschland greifbar zu machen. Das Ruhrgebiet muss eigenständige Kultur- und Bildungsregion werden.“

Kontroverse Wahrnehmung ist dabei ausdrücklich gewollt, jedenfalls nach Ansicht von Hernes OB Duda: „Diskussionen stören mich nicht, im Gegenteil. Wir reden dadurch mehr über Kunst, als es in Herne üblich ist.“ Wenn die Verhüllung nicht „schön“ im romantischen Sinne sei, habe das mit der Melancholie zu tun, die das Ende der Kohle begleite.
Wer tief in die 250 Jahre währende Geschichte von Rohstoff, Abbau und Industriekultur einfahren will, fährt am besten Bus. Kostenlose Bustouren führen zu jeweils drei RuhrKunstMuseen. Am 13. Mai 2018 zum Beispiel unter dem Thema „Schwarze Materie“ – die Kohle als schwarzer Energielieferant und Rohstoff für die Kunst. Start und Endpunkt der Tour sind die Flottmann-Hallen Herne. Weitere Stationen sind das Kunstmuseum Mülheim a. d. Ruhr und das Lehmbruck Museum Duisburg. Vor Ort erhalten Besucherinnen und Besucher Kurzführungen, es bleibt genug Zeit, um sich auch selbst ein Bild von den Ausstellungen zu machen. Damit alle auf der rund 5,5 Stunden-Bustour bei Kräften bleiben, werden die Gäste mit Lunchpaketen versorgt...

Als finalen Höhepunkt soll NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Museum Küppersmühle am 11. Juni die „Hommage an Jannis Kounellis“ offiziell eröffnen. Neben Stahl, Stein und Stoff ist Kohle eines der grundlegenden Elemente, aus denen er seine raumgreifenden Installationen geschaffen hat. Eisen und Kohle bezeichnete er als Materialien, „die am besten die Welt der industriellen Revolution und damit die Ursprünge der heutigen Kultur widerspiegeln“. Übrigens: Anselm Kiefer, einer von Deutschlands erfolgreichsten Gegenwartskünstlern, bekam für seinen Beitrag an der Hommage eigens eine Lieferung Kohle nach Paris gebracht...

P.S. Ab September sind die Kohlesäcke entfernt, Schloss Strünkede bietet wieder die gewohnte Romantikkulisse. Ab 2019 ist die Kohle im Ruhrgebiet endgültig Geschichte...

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