Das Deutsche Gehörlosen-Theater e.V. hat den Klassiker unter den Kinderbüchern „Alice im Wunderland“ aufgegriffen, selbst für die Gebärdensprache umgeschrieben und ist seit Mai 2014 deutschlandweit auf Tournee. Das Stück ist nicht nur für erwachsene Zuschauer gedacht. Besonders Kindern soll die Freude am Theatererlebnis vermittelt werden. Auftritte sind bis Anfang 2016 in 15 Städten geplant. Die Veranstaltung im Essener Katakomben-Theater am 11. Oktober 2015 wurde durch die Brost-Stiftung gefördert.

Der Werdegang

Die Vorproduktion fand im ersten Halbjahr 2014 statt. Gestartet wurde mit einem Casting zur Auswahl von sechs gehörlosen und zwei hörenden Schauspielern. Weitere Beteiligte der Produktion: eine Regisseurin und eine hörende Co-Regisseurin sowie ein Trommler, der bereits zuvor mit dem Gehörlosen-Theater zusammengearbeitet hatte.

Warum „Alice im Wunderland?“

Gehörlose werden im täglichen Leben oft diskriminiert. Dieses Leben voller Barrieren in allen Bereichen kann in „Alice in Wunderland“ auf wunderbarer Weise dargestellt und verarbeitet werden.

Alice fällt im Traum in ein Loch und begegnet skurrilen Geschöpfen, die ihr Bewusstsein verändern. Gerade als das Chaos unüberwindbar zu werden scheint, befreit sich Alice, indem sie aus dem Traum erwacht und sich bewusst wird, dass sie ein Recht auf ein menschenwürdiges und gleichberechtigtes Leben hat.

In dem Klassiker „Alice in Wunderland“ werden Unterdrückung, Verbot der Gebärdensprache, ein Leben voller Barrieren und Respekt für die Gehörlosenkultur spielerisch dargestellt.

Die Arbeit des Gehörlosen-Theaters

Das Deutsche Gehörlosen-Theater bekommt regelmäßig Anfragen, Theateraufführungen in unterschiedlichen Städten zu ermöglichen. Gehörlose und hörgeschädigte Menschen haben sehr wenig bis keine Möglichkeiten, an kulturellen Veranstaltungen teilzunehmen, da sie nicht die Sprache oder Musik über das Ohr aufnehmen können. Ohne Gebärdensprachendolmetscher oder Bezugspersonen sind sie überwiegend kommunikationsbehindert.

Die Theateraufführungen des Gehörlosen-Theaters geben diesen Menschen die Möglichkeit zur Teilnahme am kulturellen Leben in ihrer eigenen Sprache, der Gebärdensprache. Auch das hörende Publikum wird zu dieser außergewöhnlichen Inszenierung eingeladen. Schattenschauspieler (hörende Schauspieler) geben den Inhalt des gerade gebärdenden Schauspielers für das hörende Publikum in Lautsprache wieder.

 

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